Violetter Kater im Anzug läuft mit Glocke und Schild „Das Ende ist fern“ durch eine freundliche Altstadt.

Klima, Teil 17: Das Ende ist fern

Bevor wir vorwärts rechnen

 

Im letzten Kapitel haben wir die Temperaturentwicklung der vergangenen knapp 25 Jahre berechnet und untersucht, welche Größen an dieser Entwicklung beteiligt waren. Wir haben die positiven Beiträge zur Temperaturentwicklung hochgezählt, die Gegenreaktionen wieder abgezogen und landeten schließlich beim beobachteten UAH-Rohtrend. Das Endergebnis ist erstaunlich unspektakulär: ASR erwärmt, CO2 trägt einen Teil dazu bei, dass Wärme im System bleibt, der Ereignispfad wirkt ebenfalls erwärmend – in den letzten Jahren sogar erheblich –, andere Beiträge wirken entgegen.

 

An dieser Stelle muss man allerdings verstehen, was wir dort überhaupt dargestellt haben. Es ging um die zusätzliche Wirkung der Veränderungen zwischen Juli 2002 und Ende 2025. Was bislang kaum sichtbar war: Wie sahen die Größen am Anfang unseres Untersuchungszeitraums aus, wie am Ende – und wie kommen wir von diesen völlig unterschiedlichen Zuständen überhaupt zu einem gemeinsamen Temperaturbeitrag?

 

Wenn wir das Ganze aufschlüsseln, sehen wir zunächst ein ziemliches Einheitenchaos: CO2 messen wir in ppm, den troposphärischen Wasserdampf in kg/m2, den stratosphärischen in ppmv und die absorbierte Sonnenstrahlung in W/m2. Die nächste Grafik stellt deshalb zunächst nur die Anfangs- und Endzustände der verschiedenen Größen gegenüber.

 

 

Abbildung 17.1: Beobachtete beziehungsweise projektinterne Anfangs- und Endzustände der zentralen Größen im Primärfenster Juli 2002 bis Dezember 2025. Unterschiedliche Einheiten und bewusst nicht bei null beginnende Achsen; dargestellt werden Zustände, noch keine addierbaren Beiträge.

 

Klar: Die Y-Achsen beginnen hier bewusst nicht alle bei null. Die Steigungen sehen dadurch optisch wesentlich dramatischer aus, als sie relativ zum jeweiligen Gesamtwert sind. Darum geht es aber auch gar nicht. Wir wollen zunächst nur sehen, was sich in welche Richtung verändert hat. Diese Grafik zeigt Zustandsänderungen, keine Anteile an der Erwärmung.

 

CO2 steigt in unserem Primärfenster von rund 371 auf 425 ppm. Der troposphärische Wasserdampf nimmt von etwa 29,50 auf 30,79 kg/m2 zu. Auch der stratosphärische Wasserdampf steigt. Und besonders deutlich verändert sich die von CERES gemessene absorbierte Sonnenstrahlung: von rund 240,73 auf 242,77 W/m2.

 

Nicht alle dargestellten Größen haben allerdings denselben Charakter. CO2, Wasserdampf und ASR sind beobachtete physikalische Zustandsgrößen. Der LW-Rest ist dagegen eine diagnostische Bilanzgröße unserer langwelligen Buchhaltung: Nachdem die explizit bestimmten Beiträge abgezogen sind, bleibt dieser Teil übrig. Er kann positive und negative Werte annehmen und enthält alles, was im langwelligen Bereich nicht bereits einem unserer separat bestimmten Kanäle zugeschlagen wurde. Der späte Ereignisterm wiederum ist keine direkt gemessene physikalische Größe, sondern die statistisch bestimmte Beschreibung der außergewöhnlichen Temperaturentwicklung ab 2022.

 

Eine gemeinsame Währung

 

Die Größen in diesem Bild darf man daher auch nicht miteinander addieren. Noch stehen hier ppm neben kg/m2 und W/m2. Für die gemeinsame Rechnung brauchen wir erst einmal eine gemeinsame Währung. Diese Währung heißt Energie. In einem zweiten Schritt übersetzen wir daher die Veränderungen der einzelnen Größen in ihre Wirkung auf die Strahlungsbilanz, also in Watt pro Quadratmeter:

 

  • Für die absorbierte Sonnenstrahlung ergibt sich über das Fenster eine Änderung von rund +2,13 W/m2.
  • Der direkte CO2-Kanal liefert rund +0,46 W/m2.
  • Der direkte troposphärische Wasserdampfkanal rund +0,64 W/m2.
  • Beim späten Ereignisterm gibt es eine Besonderheit: Seine rund +0,63 W/m2 sind kein separat von CERES gemessener Strahlungskanal, sondern ein thermisch äquivalenter Nettofluss, mit dem sich der statistisch bestimmte Temperaturpfad in dieselbe Buchhaltung einordnen lässt.
  • Dem stehen rund −0,50 W/m2 aus dem stratosphärischen Wasserdampf,
  • −0,37 W/m2 aus dem LW-Rest und
  • rund −1,29 W/m2 aus der thermischen OLR-Gegenreaktion gegenüber.

 

Und jetzt kommt ein Punkt, der im letzten Kapitel zu stark verdichtet wurde: CO2 und troposphärischer Wasserdampf sind hier immer noch zwei vollständig getrennte Kanäle. Der CO2-Wert stammt aus dem beobachteten CO2-Aufwuchs und unserer Strahlungstransferrechnung. Der H2O-Wert stammt aus dem beobachteten Wasserdampfaufwuchs und derselben CO2-H2O-Strahlungsfläche. Weil sich die Absorptionsbereiche beider Moleküle teilweise überlappen, haben wir diese Überlappung vorher mit dem Shapley-Verfahren auf beide verteilt. Aber bis zu diesem Punkt wurde kein Wasserdampf dem CO2 zugeschlagen.

 

 

Abbildung 17.2: Änderungen der direkten Strahlungskanäle zwischen Juli 2002 und Dezember 2025 in W/m2. CO2 und troposphärischer H2O-Kanal bleiben in dieser Stufe getrennt; der späte Ereignisterm ist als thermisch äquivalenter Nettofluss eingeordnet.

 

Ab durch die thermische Maschine

 

Damit sind erstmals alle Änderungen in derselben Einheit angekommen. Nun schicken wir sie durch exakt dieselbe thermische Maschine, die wir im letzten Kapitel ausführlich gebaut haben: denselben schnellen Wärmespeicher, denselben tiefen Speicher, dieselbe Kopplung γ und anschließend denselben UAH-Beobachtungsoperator. Das Ergebnis sieht so aus:

 

 

Abbildung 17.3: Temperaturwirkung derselben getrennten Kanäle nach Durchlauf durch Zwei-Reservoir-Modell und UAH-Beobachtungsoperator. Gezeigt ist die modellierte Änderung über das gesamte Primärfenster.

 

Über den gesamten Zeitraum ergibt sich für ASR ein Temperaturbeitrag von rund +0,497 °C. Der direkte CO2-Kanal liefert +0,134 °C, der direkte troposphärische Wasserdampfkanal +0,138 °C, der späte Ereignispfad rund +0,197 °C. Dagegen stehen etwa −0,052 °C aus dem stratosphärischen Wasserdampf, −0,006 °C aus dem LW-Rest und −0,348 °C aus der thermischen OLR-Gegenreaktion. Die Summe schließt auf +0,560 °C. Das ist die trendbasierte UAH-Änderung über das Primärfenster, nichts anderes.

 

Dabei darf man die Zahlen aus dem vorherigen Bild nicht einfach mit einem festen Faktor in Grad Celsius umrechnen. Unser Wärmespeicher verarbeitet die vollständigen monatlichen Zeitverläufe. Es spielt also eine Rolle, wann ein Strahlungsbeitrag auftritt, wie lange er wirkt und wie sich die Energie währenddessen zwischen schnellem und tiefem Speicher verteilt. Das Modell übersetzt nicht einfach zwei Endpunkte, sondern den gesamten Strahlungsverlauf dazwischen. Und wieder stehen CO2 direkt und H2O direkt noch nebeneinander.

 

Und wem gehört das Wasser?

 

Der troposphärische Wasserdampfbeitrag von +0,138 °C ist an dieser Stelle bereits vollständig berechnet. Wir wissen also, welchen Temperaturbeitrag der tatsächlich beobachtete H2O-Aufwuchs in unserer Rechnung liefert. Jetzt können wir eine zweite, davon getrennte Frage stellen: Warum ist dieser zusätzliche Wasserdampf überhaupt da? Troposphärischer Wasserdampf hängt stark von der Temperatur ab. Wärmere Luft kann bei gleicher relativer Feuchte mehr Wasserdampf enthalten. Und genau diesen Zusammenhang finden wir auch in unseren Beobachtungsdaten wieder. Die Regression der 12-Monatswerte von RSS-Wasserdampf gegen UAH liefert rund 7,15 % zusätzlichen Wasserdampf pro Kelvin, mit einem R2 von ungefähr 0,92. Rechnet man stattdessen einfach das Verhältnis der beiden langfristigen Trends aus, landet man bei rund 7,78 %/K. Die beiden unabhängig gewonnenen Größen liegen also sehr dicht beieinander und zugleich in der bekannten Clausius-Clapeyron-Größenordnung. Deshalb behandeln wir den beobachteten zusätzlichen troposphärischen Wasserdampf nicht einfach als vierten unabhängigen Primärantrieb neben ASR, CO2 und dem Ereignispfad. Sein Temperaturbeitrag steht bereits fest. Wir verteilen ihn nun auf diejenigen positiven Erwärmungspfade, die während des betrachteten Zeitraums Temperatur erzeugt haben. Und das ist tatsächlich nur noch Buchhaltung.

 

Die +0,138 °C werden proportional auf die drei positiven Pfade verteilt:

 

  • +0,083 °C auf den ASR-Pfad,
  • +0,022 °C auf den CO2-Pfad,
  • +0,033 °C auf den späten Ereignispfad.

 

Zusammen wieder exakt: 0,083 + 0,022 + 0,033 = 0,138 °C.

 

Der CO2-Pfad erhält damit nicht „neuen“ Wasserdampf, sondern denjenigen Anteil des bereits beobachteten H2O-Beitrags, der proportional zu seiner zuvor berechneten Temperaturwirkung steht. Wir erzeugen also weder neuen Wasserdampf noch einen zusätzlichen Temperaturbeitrag und verteilen lediglich den bereits vorher berechneten H2O-Beitrag auf seine drei Erwärmungspfade. Genau deshalb bleiben CO2 und H2O in den vorherigen beiden Grafiken zunächst getrennt – und genau deshalb erscheinen die hellen H2O-Aufschläge erst jetzt.

 

 

Abbildung 17.4: Post-hoc-Zuordnung des bereits berechneten troposphärischen H2O-Beitrags auf die positiven Erwärmungspfade. Die hellen H2O-Aufschläge addieren sich exakt zu +0,138 °C; die Gesamtbuchhaltung schließt auf den UAH-Rohpfad.

 

Damit versteht man auch das Ergebnisbild aus dem letzten Kapitel wesentlich besser. Dort sah man bereits die fertige Buchhaltung. Jetzt kennen wir den Weg dorthin: Zustandsänderung, Strahlungswirkung, Temperaturwirkung, H2O-Zuordnung. Und damit ist unsere Rechnung für die Vergangenheit abgeschlossen. Nicht „trainiert“ im Sinne eines lernenden Modells und auch nicht dadurch, dass wir jeden Einzelkanal so lange angepasst hätten, bis UAH getroffen wird. Die thermische Struktur, der Beobachtungsoperator und die Strahlungspfade stehen. Die historische Rechnung schließt. Warum also nicht einfach den Schalter umlegen, die Maschine nach 2025 weiterlaufen lassen und schauen, was passiert?

 

Ab hier fehlen die Messwerte

 

Bis Dezember 2025 war der Temperaturverlauf gut kausal begründbar. Wir konnten nachsehen, was tatsächlich passiert ist. Wir kannten CO2, CERES-ASR und -OLR, ENSO, Wasserdampf und UAH. Ab Januar 2026 müssen wir Annahmen über Größen treffen, deren tatsächlichen Verlauf noch niemand kennt. Genau hier unterscheidet sich eine Zukunftsrechnung fundamental von unserer bisherigen Rückrechnung.

 

Für einzelne Monate oder konkrete Ereignisse bis 2080 wäre eine solche Vorhersage ohnehin sinnlos. Entscheidend ist die statistische Struktur der Zukunftsgrößen. Darum brauchen wir keine Theorie darüber, welche konkrete Wolke im Jahr 2047 über dem Pazifik liegt oder wie groß die Albedo im März 2063 sein wird. Stattdessen frieren wir die historische Maschine ein und legen offen fest, wie die unbekannten Zukunftsgrößen erzeugt werden sollen. Dafür brauchen wir im Wesentlichen vier Dinge:

 

Eine plausible zukünftige Strahlungsvariabilität. Die gemeinsame historische Wirkung von Wolken, Albedo, Aerosolen und anderen Einflüssen steckt in unseren ASR- und LW-Reihen. Zusammenhängende Abschnitte dieser beobachteten Vergangenheit liefern deshalb die kurzfristige und mehrjährige Variabilität unserer alternativen Zukunftsverläufe.

 

Einen CO2-Pfad. Für unser Primärszenario steigt die Konzentration von heute rund 425 ppm bis Dezember 2080 auf 560 ppm. Dieser Verlauf ist eine bewusst gesetzte Szenariobedingung.

 

ENSO. Auch 2043 wird es vermutlich irgendeinen El Niño oder irgendeine La Niña geben. Die zeitliche Lage ist offen. Deshalb erzeugen wir verschiedene mögliche ENSO-Folgen aus den beobachteten historischen Strukturen.

 

Vulkane. Zeitpunkt und Stärke künftiger Ausbrüche sind offen. Vulkanepisoden tauchen deshalb stochastisch in den verschiedenen Realisierungen auf, mit historisch begründeter Häufigkeit, Größenordnung und Abklingstruktur.

 

Ab jetzt rechnen wir viele mögliche Zukunftsverläufe. CO2 lässt sich als Szenario setzen, ENSO und Vulkanismus aus ihrer historischen Variabilität fortführen. Eine Größe bleibt besonders heikel: die absorbierte Sonnenstrahlung ASR.

 

Die offene Flanke: ASR

 

Im vergangenen Vierteljahrhundert war ausgerechnet die ASR unser größter positiver Strahlungsbeitrag. Und der weit überwiegende Teil dieser Veränderung kam nicht daher, dass die Sonne plötzlich wesentlich heller geworden wäre. CERES zeigt vielmehr, dass die Erde weniger Sonnenlicht zurück ins All reflektiert. Loeb et al. (2024) finden seit 2000 einen Anstieg der absorbierten Sonnenstrahlung um rund 0,9 ± 0,3 W/m2. Hauptverantwortlich sind Veränderungen niedriger und mittelhoher Wolken, besonders über den Subtropen und mittleren Breiten. Li et al. (2024) zeigen zugleich, dass dahinter kein einheitlicher globaler Mechanismus steckt: In der Nordhemisphäre wirken Wolkenrückgang, weniger Sulfat und weniger Staub zusammen; in der Südhemisphäre dominiert stärker die Wolkenkomponente. Das ist die Ausgangslage. Für eine Prognose reicht sie nicht. Die entscheidende Frage lautet nämlich nicht, warum ASR in den letzten 25 Jahren gestiegen ist, sondern ob genau diese Entwicklung die nächsten 55 Jahre weiterläuft.

 

Wolken sind keine Einbahnstraße

 

Tselioudis et al. (2025) liefern dafür zunächst ein starkes Argument für eine Fortsetzung: Seit 2001 schrumpfen stark reflektierende tropische und mittlere Wolken- beziehungsweise Sturmregime. Von einem beobachteten kurzwelligen Wolkentrend von rund +0,45 W/m2 pro Dekade führen die Autoren etwa +0,37 W/m2 pro Dekade allein auf die veränderten Flächenanteile dieser Zirkulationsregime zurück. Das ist viel. Würde dieser Prozess einfach weiterlaufen, bliebe ASR auch künftig ein erheblicher Erwärmungstreiber. Aber genau hier beginnt das Problem. Andersen et al. (2022) untersuchten einen der auffälligsten Wolkenrückgänge überhaupt, im nordöstlichen Pazifik. Höhere Meeresoberflächentemperaturen, schwächere Inversionen und schwächere Winde erklären den Rückgang gut. Trotzdem kommen die Autoren zu dem Schluss, dass der längerfristige Trend dort wahrscheinlich wesentlich durch natürliche Variabilität geprägt ist. Drehen ozeanische Strömungs-Muster (SST), Inversionsstärke oder Zirkulation, kann sich deshalb auch der Wolkentrend drehen. Zhou et al. (2016) zeigen sogar ausdrücklich, dass mehr niedrige Wolken und stärkere Sonnenreflexion bei gleichzeitig steigender globaler Temperatur möglich sind, wenn sich das räumliche SST-Muster entsprechend verändert.

 

Die jüngsten Beobachtungen machen die Sache eher komplizierter als einfacher. Manapat et al. (2026) finden im südöstlichen tropischen Pazifik während bestimmter El-Niño-Phasen mehr niedrige Wolken, obwohl die Meeresoberfläche wärmer wird; CMIP6-Modelle reproduzieren dieses Verhalten nicht zuverlässig. Und Cesana und Arouf (2026) rekonstruieren 13 Satellitendatensätze und Reanalysen bis 1979. Über die gesamten 47 Jahre nimmt die tropische niedrige Bewölkung in ihrer Rekonstruktion um 0,18 ± 0,07 Prozentpunkte pro Dekade zu, vor allem durch Stratocumulus. Für diesen historischen Zeitraum erhalten sie sogar einen negativen Low-Cloud-Feedback von −0,79 ± 0,30 W/m2/K; für den Zeitraum nach 2001 nennen sie etwa +0,11 Prozentpunkte/Dekade. Der starke Rückgang der Wolkenreflexion im kurzen CERES-Fenster ist also real; eine monotone Abnahme niedriger Wolken über die letzten fünf Jahrzehnte ist es nicht.

 

Selbst „mehr oder weniger Wolken“ ist dabei noch zu grob. Ding et al. (2023) zeigen mit CloudSat und CALIPSO, dass Wolken zwar rund drei Viertel der Erdoberfläche überdecken, aber nur einen kleinen Teil des troposphärischen Volumens füllen. Höhe, Typ, optische Dicke und vertikale Ausdehnung unterscheiden sich erheblich. Zwei Zustände mit ähnlicher globaler Wolkenbedeckung können deshalb eine deutlich andere Strahlungswirkung besitzen. Der relevante Parameter für unsere Rechnung ist am Ende eben nicht „Wolkenprozent“, sondern die tatsächlich reflektierte Energie.

 

Macht CO2 die Wolken kaputt?

 

Hier muss man die Evidenzebenen sauber trennen. Ceppi et al. (2026) messen mit CERES tatsächlich einen starken Befund: Von 2003 bis 2024 hat die Veränderung niedriger Wolken die absorbierte Sonnenstrahlung um etwa +0,22 ± 0,07 W/m2 pro Dekade erhöht. Das ist Beobachtung, die sich in etwa mit den Beobachtungen von Loeb et al. (2024) oder Li et al. (2024) deckt. Ihre anschließende Zerlegung ist etwas anderes. Die Autoren schreiben davon rund +0,09 W/m2/Dekade einem Wolkenfeedback, +0,05 einer schnellen Treibhausgasanpassung – also u.a. CO2 – und +0,03 einer Aerosolanpassung zu. Für diese Unterscheidung werden aber beobachtete Cloud-Controlling-Factors mit CMIP6-Simulationen und modellierten GHG-Anpassungen kombiniert. Der isolierte Beitrag „CO2 → weniger Wolken“ wird also nicht direkt aus CERES gemessen. Das bedeutet: Die Abnahme der niedrigen Wolkenreflexion ist empirisch. Ihre Zerlegung in Treibhausgase, Feedback, Aerosole und natürliche Variabilität ist modellabhängig. Selbst Ceppi et al. weisen darauf hin, dass die Trennung davon abhängt, wie realistisch Modelle die SST-, Zirkulations- und Inversionsmuster darstellen. Und bereits wenige Tage später kamen Zelinka et al. (2026), mit Ceppi als Mitautor, für das Extremjahr 2023 zu einem deutlich nüchterneren Ergebnis: Meteorologische Besonderheiten und sinkende Sulfataerosole reichen aus, um den ungewöhnlichen Wolkenzustand einzuordnen; die jüngsten Beobachtungen liefern keinen Hinweis auf einen plötzlich stärker gewordenen Wolkenfeedback durch zunehmendes CO2. Das bedeutet: Gemessen ist der Rückgang der niedrigen Wolkenreflexion. Nicht gemessen ist, dass CO2 diesen Rückgang als dauerhaften, linear fortsetzbaren Mechanismus erzwingt.

 

Damit bleibt für unsere Zukunftsrechnung genau das stehen, was wir brauchen: Der jüngste Wolkentrend ist gut gemessen. Seine langfristige Ursache und damit seine Fortsetzbarkeit bleiben offen.

 

Schwefel: ein echter Eingriff, aber kein ewiger Trend

 

Bei den Aerosolen haben wir einen der seltenen Fälle, in denen tatsächlich experimentähnliche Beobachtungen vorliegen. Seit 2020 darf Schiffstreibstoff global nur noch 0,5 statt 3,5 Masse-% Schwefel enthalten. Weniger Schwefel bedeutet weniger Sulfataerosole und damit weniger beziehungsweise dunklere ship tracks. Diamond (2023) fand in einem stark befahrenen Korridor im südöstlichen Atlantik genau diese Veränderung; die regionale Strahlungswirkung liegt in der Größenordnung 1 W/m2, global eher um 0,1 W/m2. Gettelman et al. (2024) kommen modellgestützt auf etwa +0,12 W/m2 global. Das ist ein realer Beitrag. Für unsere Zukunft ist aber mindestens ebenso wichtig, welche Form er besitzt: IMO 2020 war ein Regimewechsel, kein linearer Trend, der sich alle zehn Jahre wiederholen kann. Dasselbe gilt für die Entschwefelung in Europa, Nordamerika und Ostasien. Loeb et al. (2021) beobachten dort deutlich sinkende Aerosolbelastung und dadurch weniger kurzwellige Reflexion; global ist der Trend jedoch nicht signifikant und Indien entwickelt sich teilweise in die Gegenrichtung. Urraca et al. (2025) bestätigen anhand von AERONET ebenfalls starke regionale Gegensätze und zeigen zusätzlich, wie empfindlich Satellitentrends auf Instrument- und Algorithmuswechsel reagieren können. Mit anderen Worten: Aerosolbereinigung kann einen Teil des jüngsten ASR-Anstiegs erklären. Daraus folgt kein gleich großer Aerosolimpuls bis 2080. Irgendwann ist Schwefel bereits entfernt.

 

Albedo: wichtig – aber global nicht der Haupttreiber

 

Auch Eis und Oberfläche gehören in die Rechnung, aber ihre globale Größenordnung sollte man nicht überschätzen. Loeb et al. (2019) zerlegten die monatliche globale CERES-Variabilität der reflektierten Sonnenstrahlung: 81 % hängen mit atmosphärischen Veränderungen, vor allem Wolken, zusammen, 6 % unmittelbar mit der Oberfläche und 13 % mit deren Kovariation. Regional, insbesondere in der Arktis, kann die Oberflächenalbedo sehr wichtig sein; global dominiert aber die Atmosphäre.

 

Li et al. (2025) kommen bei ihrer umfassenden Albedoübersicht zum selben qualitativen Bild: Wolken dominieren die Reflektion der Änderungen der einfallenden kurzwelligen Strahlen in den meisten Regionen, Schnee und Eis vor allem in polaren Küstengebieten. Für die Zukunft koppeln sie Beobachtungen an CMIP6 – die sechste Generation des internationalen Modellvergleichs – und begrenzen die Projektionen mit einem „emergent constraint“. Modellbasiertes Ergebnis: Unter niedrigen und mittleren SSP-Szenarien flacht der Rückgang der reflektierten Sonnenstrahlung im Laufe des Jahrhunderts ab. Auch in dieser Auswertung läuft der jüngste CERES-Trend also nicht linear bis 2080 weiter.

 

Und die Sonne selbst?

 

Die Sonne ist der Energielieferant, aber ihre Helligkeit ist nicht konstant. Der robuste Grundrhythmus ist der etwa elfjährige Schwabe-Zyklus; dahinter liegt der 22-jährige magnetische Hale-Zyklus. Auf längeren Zeitskalen finden sich der Gleissberg-Bereich von grob 60–120 Jahren, der etwa 210-jährige de-Vries/Suess-Zyklus und der ungefähr 2000–2400-jährige Hallstatt-Zyklus. Ein etwa 1000–1200-jähriger Eddy-Zyklus wird ebenfalls diskutiert, gilt in neueren Reviews aber als schwach und intermittierend. Vor allem: Diese langen Zyklen sind keine exakt phasenstarren Uhren; langfristige Sonnenaktivität besitzt einen starken stochastischen Anteil (Hathaway, 2015; Usoskin, 2023).

 

Für die folgende Grafik überlagern wir die bekannten Perioden mit bewusst engen, SATIRE-orientierten Amplituden. Die Darstellung ist eine Größenordnungsrechnung für mögliche Überlagerungen. Der Hale-Zyklus erscheint dabei nicht als sechste additive TSI-Kurve, weil er primär die magnetische Polaritätsumkehr beschreibt; die etwa elfjährige TSI-Schwankung ist das direkt radiativ relevante Signal. Rekonstruktionen wie SATIRE und kosmogene 14C-/10Be-Daten liefern die Grundlage für die längerfristigen Größenordnungen (Vieira et al., 2011; Usoskin, 2023). Satelliten messen beim Schwabe-Zyklus typischerweise etwa 0,1 % TSI-Unterschied zwischen Minimum und Maximum, also ungefähr 1 W/m2 am Oberrand der Atmosphäre (Kopp, 2025). Für die Erde wird daraus deutlich weniger. Die Erde fängt die Energie über die Querschnittsfläche πR2 auf, verteilt die Energie aber über die Kugeloberfläche 4πR2. Bei unveränderter planetarer Albedo A gilt näherungsweise:

 

ΔASR = ΔTSI × (1 − A) / 4

 

Bei A ≈ 0,30 bleiben von 1 W/m2 TSI also etwa 0,175 W/m2 global gemittelter absorbierter Strahlung übrig. Genau diese Geometrie ist im folgenden Bild berücksichtigt. Die enge Überlagerung liegt 2026 praktisch bei null zusätzlichem Antrieb; selbst das theoretische gleichzeitige Maximum aller eingezeichneten engen Komponenten erreicht nur rund +0,29 W/m2 ASR. Die großzügigere Amplitudenwahl liefert rund +0,54 W/m2 als theoretisches Gleichphasigkeitsmaximum. Beides sind Illustrationen der Größenordnung, keine Vorhersagen der Sonnenaktivität für das Jahr 2146 oder 2300.

 

 

Abbildung 17.5: Illustrative Überlagerung des Schwabe-, Gleissberg-, de-Vries-, Eddy- und Hallstatt-Zyklus als TSI-Anomalien sowie nach Umrechnung in global gemittelte absorbierte Solarstrahlung. Die langen Perioden sind Quasiperiodizitäten; die Grafik zeigt Größenordnungen und mögliche Überlagerungen, keine deterministische Sonnenprognose.

 

Eine mögliche indirekte Sonnenwirkung über kosmische Strahlung und Wolken bleibt umstritten. Svensmark et al. (2009) fanden nach starken Forbush-Ereignissen weniger Aerosole und weniger Wolkenwasser; Calogovic et al. (2010) fanden mit einer anderen Analyse keinen globalen Wolkeneffekt. CLOUD-Experimente und darauf aufbauende globale Modellierungen bestätigen, dass Ionisation die Aerosolneubildung beeinflussen kann, liefern für den normalen Sonnenzyklus aber nur sehr kleine Änderungen der Wolkenkondensationskeime (Gordon et al., 2017). Für einen eigenständigen, belastbaren ASR-Zukunftstrend reicht diese Evidenz nicht.

 

Fünf plausible Zukünfte

 

Die Literaturrecherche endet damit an einer klaren Grenze. Die vergangenen Jahrzehnte sind gut beobachtet, der kurzwellige Trend von 2026 bis 2080 bleibt offen. Wolkenregime können weiter schrumpfen oder sich stabilisieren; dekadische SST- und Zirkulationsmuster können die Richtung umkehren. Ein Teil der jüngsten Veränderung stammt aus Aerosolregimen, deren stärkste Umstellungen bereits erfolgt sind. Eis- und Oberflächenalbedo wirken regional stark, global aber kleiner als Wolken. Die Sonne schwankt, liefert im betrachteten Zeitraum jedoch keine Größenordnung, die den großen beobachteten CERES-ASR-Trend allein ersetzen könnte.

 

Die wissenschaftlich ehrliche Konsequenz sind fünf Zukunftspfade, die die empirisch begründbare Spannweite abbilden:

 

1. Backlash: Der jüngste Wolkentrend dreht zumindest teilweise zurück; mehr Reflexion senkt ASR wieder. Dieses Szenario bildet die beobachtete Möglichkeit negativer beziehungsweise umkehrender Low-Cloud-Reaktionen ab, wie sie Cesana und Arouf (2026) beschreiben. Wir setzen dafür einen Wert von −0,10 W/m2/Dekade an.

 

2. S0: Die langfristige ASR-Drift wird nach 2025 auf 0 gesetzt. Die historisch beobachtete kurz- und mehrjährige Variabilität bleibt vollständig erhalten.

 

3. S-ASR-lowcloud: Der von Ceppi et al. (2026) direkt beobachtete Low-Cloud-Strahlungstrend von ungefähr +0,22 W/m2 pro Dekade läuft weiter – ohne dessen modellbasierte teilweise CO2-Zuordnung zu übernehmen.

 

4. S-ASR-cloudregime: Die von Tselioudis et al. (2025) beobachtete Größenordnung von rund +0,37 W/m2 pro Dekade aus der Kontraktion stark reflektierender Wolkenregime läuft weiter.

 

5. Li/CMIP6: Wir verwenden den von Li et al. (2025) beobachtungsbeschränkten CMIP6-Pfad, bei dem der Albedo-/RSR-Trend bei niedrigen bis mittleren Szenarien zunehmend abgeflacht wird.

 

Die Spannweite dieser fünf Pfade ist selbst ein wissenschaftliches Ergebnis. Sie macht sichtbar, was ein einzelner fest gesetzter Wolkenparameter verbergen würde: Die langfristige ASR-Entwicklung ist gegenwärtig nicht eindeutig bestimmt, und genau diese Offenheit gehört in die Zukunftsrechnung.

 

Ein realistischer CO2-Pfad

 

Bei CO2 ist die Zukunft zunächst einfacher als bei den Wolken. Wir müssen keine einzelne Technologie vorhersagen, sondern lediglich festlegen, welche atmosphärische CO2-Konzentration unser Modell künftig vorfindet. Für unseren Zentralpfad lassen wir die Konzentration von heute rund 425 ppm bis Dezember 2080 auf 560 ppm steigen.

 

Warum gerade 560 ppm? Die heute als Reserven ausgewiesenen Öl-, Gas- und Kohlevorräte reichen bei vollständiger Verbrennung für deutlich höhere Konzentrationen. Aus den von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ausgewiesenen Reservemengen ergibt sich grob ein Potenzial von rund 3,4 Billionen Tonnen CO2 (BGR, 2024). Der Global Carbon Budget weist für die vergangenen sechs Jahrzehnte einen langfristigen atmosphärischen Anteil von rund 44 % der anthropogenen CO2-Emissionen aus (Friedlingstein et al., 2025). Überträgt man diese historische Größenordnung als grobe Rechenannahme, läge die Konzentration nach vollständiger Nutzung der heutigen Reserven in der Größenordnung von 620 bis 630 ppm. 560 ppm entsprechen damit grob einer Welt, die etwa zwei Drittel bis drei Viertel der heute wirtschaftlich gewinnbaren fossilen Reserven nutzt. Entscheidend ist ohnehin die wirtschaftliche Frage: Wie viel davon wird tatsächlich noch gebraucht und gefördert?

 

Genau dort beginnt ein ziemlich banaler Marktprozess. Fossile Energieträger haben heute noch gewaltige Vorteile: hohe Energiedichte, bestehende Infrastruktur, einfache Speicherbarkeit und in vielen Anwendungen niedrige Kosten. Gleichzeitig werden Alternativen laufend konkurrenzfähiger. Bei Elektroautos liegt der Anschaffungspreis in vielen Märkten noch über einem vergleichbaren Verbrenner; über die gesamte Lebensdauer sind sie wegen geringerer Energie- und Wartungskosten aber bereits heute häufig konkurrenzfähig oder günstiger. Die IEA (2026) schätzt, dass Elektrofahrzeuge 2025 bereits rund 1,7 Millionen Barrel Öl pro Tag verdrängten. Für diesen Substitutionsprozess braucht es keine moralische Großtheorie. Preis, Gebrauchswert und technischer Fortschritt reichen als mächtige Auswahlmechanismen völlig aus.

 

Öl bleibt über lange Zeit ein wichtiger Energieträger. Flugverkehr, Schifffahrt, Petrochemie, Landwirtschaft und ein großer Teil des weltweiten Fahrzeugbestands bleiben noch lange davon abhängig. Gleichzeitig funktioniert die Substitution an immer mehr Stellen wirtschaftlich: beim kleinen Stadtfahrzeug früher, beim schweren Fernverkehr später, beim Flugzeug sehr viel später. Dasselbe gilt für Gas und Kohle. Fossile Stromerzeugung lässt sich technisch in vielen Systemen vergleichsweise gut ersetzen; Hochtemperaturprozesse, chemische Grundstoffe und saisonale Versorgung sind wesentlich schwieriger.

 

Auch die Angebotsseite bewegt sich. Die einfach zugänglichen Lagerstätten werden zuerst genutzt. Tiefseevorkommen, Ölsande und andere aufwendige Fördermethoden benötigen höhere Preise. Fracking hat diese Grenze deutlich nach außen verschoben und insbesondere den Gasmarkt verändert, ist aber ebenfalls keine unbegrenzte Billigquelle. Hinzu kommen lokale Umwelt- und Akzeptanzprobleme. In Teilen der USA wurden erhöhte Methankonzentrationen in Trinkwasserbrunnen im Umfeld von Gasförderanlagen festgestellt, insbesondere im Zusammenhang mit undichten Bohrungen und der Migration von thermogenem Gas (Osborn et al., 2011; Rice et al., 2018).

 

560 ppm bis 2080 beschreibt eine Welt, die fossile Energieträger noch jahrzehntelang in großen Mengen nutzt und sie zunehmend dort ersetzt, wo andere Technologien wirtschaftlich überlegen werden. Ein erheblicher Teil der heute vorhandenen fossilen Reserven bleibt dann im Boden, weil seine Nutzung irgendwann schlicht keinen wirtschaftlichen Vorteil mehr bietet.

 

Unser CO2-Szenario beschreibt damit eine plausible mittlere Entwicklung: Fossile Energieträger bleiben noch über Jahrzehnte bedeutend, verlieren aber dort Marktanteile, wo bessere und billigere Alternativen entstehen. 560 ppm im Jahr 2080 sind die daraus gesetzte Randbedingung unserer Rechnung.

 

ENSO: 2043 steht noch nicht im Kalender

 

Der zweite unbekannte Baustein ist ENSO. Auch in Zukunft wird Wärme zwischen tropischem Pazifik und Atmosphäre umverteilt werden, mit El-Niño- und La-Niña-Phasen in wechselnder Folge. Offen ist ihre zeitliche Lage.

 

Saisonale ENSO-Vorhersagen reichen einige Monate; auf Jahrzehnte trägt ihre Prognosekraft nicht. Auch die langfristige Entwicklung von ENSO unter Erwärmung ist keineswegs abschließend geklärt. Modelle zeigen Hinweise auf stärkere Niederschlagsreaktionen und teilweise häufigere extreme Ereignisse, zugleich bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Modellen und bekannte Probleme bei der Darstellung des tropischen Pazifiks, der Walker-Zirkulation und mehrjähriger La-Niña-Episoden.

 

Für ENSO verwenden wir deshalb seine tatsächlich beobachtete zeitliche Struktur. Zusammenhängende Abschnitte der historischen Niño-3.4-Reihe werden in unterschiedlicher Reihenfolge zu Zukunftsfolgen zusammengesetzt. Dadurch bleiben typische Persistenz, Übergänge zwischen El Niño und La Niña und mehrjährige Strukturen erhalten. Welche konkrete Folge ein Ensemblemitglied bekommt, ist zufällig; ihre statistische Form stammt aus der Beobachtung.

 

Diese Konstruktion ist unsere Nullhypothese: Die bislang beobachtete ENSO-Struktur liefert auch für die Zukunft eine brauchbare Größenordnung. Eine künftig systematisch stärkere, schwächere oder langlebigere ENSO-Dynamik läge außerhalb dieser Annahme. Viele Realisierungen bilden die daraus entstehende Unsicherheit ab.

 

Vulkane: Der nächste Termin steht nirgendwo

 

Bei Vulkanen ist die Situation noch eindeutiger. Dass es zwischen heute und 2080 weitere Ausbrüche geben wird, ist nahezu trivial. Wann ein klimatisch wirksamer Ausbruch stattfindet, wo er liegt, wie viel Schwefel er in die Stratosphäre bringt und wie lange sein Aerosolschleier wirkt, lässt sich heute nicht sinnvoll vorhersagen.

 

Vulkane sind ein klassischer Fall irreduzibler Zukunftsunsicherheit. Zanchettin (2023) bezeichnet zukünftige Vulkanaktivität ausdrücklich als schwer vorhersehbare natürliche Quelle klimatischer Variabilität. Neuere Arbeiten zeigen zudem, dass Zukunftsläufe die Unsicherheit durch sporadische Eruptionen leicht unterschätzen können; ein stochastischer Vulkanforcing-Ansatz verbreitert die möglichen Temperaturpfade deutlich.

 

Die beobachtete Häufigkeit und Größenverteilung historischer Ereignisse bildet deshalb die Grundlage zufälliger Vulkanepisoden. Ein Ensemblemitglied kann über Jahrzehnte relativ ruhig bleiben, ein anderes mehrere kleinere Ereignisse bekommen, ein weiteres einen deutlich stärkeren Ausbruch. Der jeweilige Strahlungsimpuls klingt danach mit derselben physikalischen beziehungsweise empirischen Logik wieder ab.

 

Vulkanforcing erscheint damit so, wie es auch in der Realität auftritt: als unregelmäßige negative Strahlungsimpulse mit anschließendem Abklingen.

 

Jetzt lassen wir die fünf Zukünfte laufen

 

Damit stehen die Randbedingungen der Zukunftsrechnung. Der CO2-Pfad steigt bis 2080 auf 560 ppm. ENSO wird aus den beobachteten historischen Strukturen stochastisch fortgeführt, ebenso der Vulkanismus. Die kurzfristige und mehrjährige Variabilität von ASR und langwelliger Strahlung stammt weiterhin aus den gemessenen historischen Residuen. Offen bleibt vor allem die langfristige Entwicklung der absorbierten Sonnenstrahlung. Genau hier liefert die Literatur mehrere plausible, aber deutlich unterschiedliche Möglichkeiten.

 

Für unsere abschließende Zukunftsrechnung werden deshalb fünf ASR-Szenarien gerechnet. Sie unterscheiden sich ausschließlich in ihrem langsamen Strahlungspfad. Innerhalb eines Ensemblemitglieds bleiben CO2, ENSO, Vulkanismus, H2O-Stochastik, Strahlungsresiduen, thermischer Kern und Zufallsfolge identisch. Das sind keine Wahrscheinlichkeiten und keine Gewichtung. Es sind fünf empirisch begründbare Annahmen über denselben unbekannten Hebel. Damit lassen sich die Auswirkungen der ASR-Annahme isolieren: Wenn zwei Szenarien 2080 unterschiedliche Temperaturen liefern, entsteht dieser Unterschied aus dem jeweiligen langfristigen ASR-Pfad.

 

 

Abbildung 17.6: Fünf deterministische, niederfrequente ASR-Szenariodrifts ab 2026. Dargestellt ist nur die langfristige Annahme; Monatsresiduen, ENSO und Vulkanismus sind hier ausgeblendet.

 

Die fünf Varianten decken die aus der Literatur begründbaren Richtungen ab. BACKLASH verwendet einen moderaten Rückgang von −0,10 W/m2 pro Dekade. S0 setzt nach der Übergangsphase keinen zusätzlichen langfristigen ASR-Trend voraus. S-ASR-lowcloud führt den jüngsten Low-Cloud-Strahlungstrend von +0,22 W/m2 pro Dekade fort. S-ASR-cloudregime übernimmt mit +0,37 W/m2 pro Dekade die Größenordnung der schrumpfenden stark reflektierenden Wolkenregime. Li/CMIP6 verwendet schließlich den beobachtungsbeschränkten SSP2-4.5-Verlauf der reflektierten Sonnenstrahlung, mit umgekehrtem Vorzeichen für ASR. Dieser Pfad flacht im Laufe des Jahrhunderts ab.

 

Der Jahreswechsel darf nichts merken

 

Diese fünf Kurven beschreiben nur die langsame Drift. Die tatsächlichen Zukunftsrealisierungen behalten die monatlichen und mehrjährigen Schwankungen des CERES-Zeitraums. Dafür wurde auch der Übergang Ende 2025 neu aufgebaut. Der erste zukünftige 48-Monats-Block wird aus historischen Abschnitten gewählt, deren Zustand zum Dezember passt. ENSO wird ebenfalls anschlusskonditioniert, ein Ende 2025 noch vorhandener Vulkanimpuls läuft in die Zukunft hinein aus, und die Monatsresiduen behalten ihre historische Varianz. Januar 2026 verhält sich damit wie ein Folgemonat der bestehenden Reihe und nicht wie der Beginn eines neu gestarteten Modells.

 

 

Abbildung 17.7: Übergang von beobachteter ASR bis Dezember 2025 zu stochastischen S0-Realisierungen ab Januar 2026. Der erste Zukunftsblock ist auf den Endzustand konditioniert; die Monatsvariabilität wird ohne Glättungsbrücke fortgesetzt.

 

Sitzt die Naht?

 

Der Übergang wurde zusätzlich statistisch geprüft. Für ASR, LW-Rest, NET, ENSO und TLT liegen sämtliche ersten Zukunftsschritte unter dem historischen 99-%-Quantil der Monatsänderungen. Die synthetische ASR-Residualvarianz entspricht auf Monatsbasis mit einem Verhältnis von 0,997 praktisch der historischen Varianz; selbst auf 36-Monats-Skalen werden noch 94,7 % erreicht. Auch die gemeinsame ASR/LW-Struktur bleibt erhalten: Die historische Residualkorrelation beträgt −0,240, im synthetischen Ensemble liegt sie im Mittel bei −0,247.

 

 

Abbildung 17.8: Gepaarte monatliche ASR-Ensembles der fünf Szenarien. Innerhalb eines Ensemblemitglieds sind die stochastischen Treiber identisch; nur die langsame ASR-Drift unterscheidet sich.

 

Damit wird auch sichtbar, wie die fünf Szenarien tatsächlich aussehen. Sie tragen dieselben kurzfristigen Schwankungen, entwickeln sich aber langfristig in unterschiedliche Richtungen. Die Kopplung ist dabei vollständig gepaart: In einem bestimmten Ensemblemitglied treten in allen fünf Szenarien dieselben ENSO-Episoden, dieselben Vulkanereignisse und dieselben Strahlungsresiduen auf. Alle 500 Mitglieder erfüllen diese Bedingung. Dadurch entsteht ein sauberer Vergleich der langfristigen ASR-Annahme.

 

Was macht das für die Temperatur?

 

Nach Durchlauf durch denselben thermischen Kern trennen sich die fünf Szenarien deutlich. Bis Dezember 2080 ergibt sich gegenüber Dezember 2025 im BACKLASH-Szenario eine mittlere Temperaturänderung von +0,229 °C. S0 liegt bei +0,339 °C, die Fortsetzung des beobachteten Low-Cloud-Trends bei +0,581 °C, das Cloud-Regime-Szenario bei +0,747 °C und Li/CMIP6 bei +0,684 °C. Die jeweiligen 5–95-%-Bereiche liegen bei 0,172–0,281 °C, 0,282–0,396 °C, 0,512–0,655 °C, 0,669–0,832 °C und 0,612–0,765 °C.

 

 

Abbildung 17.9: Fünf gepaarte Temperaturensembles bis 2080. Historischer Modell-TLT bis 2025, anschließend Szenariomediane und 5–95-%-Bänder; die Szenarien tragen keine a-priori-Gewichte.

 

Der Vergleich legt den dominierenden Unsicherheitshebel der gesamten Zukunftsrechnung offen: die langfristige ASR-Entwicklung. Innerhalb jedes Szenarios erzeugen ENSO, Vulkanismus und kurzfristige Strahlungsschwankungen einen sichtbaren Streubereich. Die langfristige ASR-Annahme verschiebt dagegen die gesamte Temperaturentwicklung. Gegenüber S0 liegt BACKLASH 2080 im Mittel um 0,110 °C niedriger, Low-cloud um 0,242 °C höher, Cloud-regime um 0,408 °C höher und Li/CMIP6 um 0,345 °C höher. Da alle stochastischen Treiber innerhalb eines Ensemblemitglieds identisch sind, messen diese Differenzen tatsächlich den Einfluss der ASR-Annahme. Die zufälligen ENSO-, Vulkan- und Strahlungsfolgen erzeugen die Breite der einzelnen Bänder; die Wahl des langfristigen ASR-Pfades verschiebt die Bänder selbst.

 

 

Abbildung 17.10: Gepaarte TLT-Differenzen 2080 gegenüber S0. Da CO2, Residuen, ENSO, Vulkanismus, H2O-Stochastik und Seeds innerhalb eines Members identisch sind, isoliert die Differenz den Einfluss der ASR-Annahme.

 

Das Ergebnis ist damit klar: Mehrere physikalisch und empirisch begründete ASR-Zukunftspfade sind mit heutiger Kenntnis vereinbar, und sie führen zu deutlich verschiedenen Temperaturentwicklungen. Ein einzelner Prognosewert wäre daher eine zusätzliche Annahme, keine aus den Daten erzwungene Folgerung. In diesem Modell ist die langfristige Entwicklung der absorbierten Sonnenstrahlung der dominierende Unsicherheitshebel bis 2080. Wie warm es 2080 wird, hängt vor allem davon ab, ob die Erde weiter dunkler wird – oder wieder heller.

 

Fazit

 

Die unbekannte Zukunft rollt auf uns zu. Diese Rechnung zeigt sie als das, was sie ist: offen. Die fünf Pfade reichen 2080 von rund +0,23 bis +0,75 °C gegenüber 2025. Zum ersten Mal in dieser Reihe endet die Analyse bei einem Fächer physikalischer Möglichkeiten statt bei einer Pflichtzukunft. Die Zukunft ist nicht festgelegt. Gerade deshalb bleibt sie gestaltbar – durch Natur, Technik, Märkte, Entscheidungen und durch Ereignisse, die heute noch niemand kennt.

 

Operative Gewissheit ist verführerisch, weil sie offene Fragen in scheinbar erledigte Fragen verwandelt. In der Wissenschaft ist das tödlich. Wissenschaft lebt von offenen Fragen, konkurrierenden Erklärungen, besseren Daten und der Bereitschaft, die eigene Vorstellung wieder zu verwerfen. Sie wird stark, wenn jemand sagt: Das wissen wir noch nicht – also sehen wir genauer hin. Genau dort beginnt Erkenntnis.

 

Dasselbe gilt für uns als Gesellschaft. Freiheit bedeutet, Ideen auszuprobieren, Neues zu bauen und mit einer guten Idee auch grandios scheitern zu dürfen. Eine blutige Nase gehört dazu, ebenso der zweite Versuch. Technologien, von denen heute niemand spricht, können in zwanzig Jahren selbstverständlich sein. Geschäftsmodelle verschwinden, weil etwas Besseres entsteht. Menschen lösen Probleme, weil sie einen Vorteil darin sehen, weil sie neugierig sind oder einfach, weil ihnen jemand gesagt hat, es gehe nicht. Ein erstaunlicher Teil des Fortschritts ist genau so entstanden.

 

Auch die Wissenschaft lebt von dieser Freiheit. Ihr stärkster Antrieb ist Neugier: eine gute Erklärung wieder aufzumachen, wenn neue Daten nicht dazu passen; eine unbequeme Messung ernst zu nehmen; eine Gegenhypothese zu verfolgen, obwohl die eigene Theorie gerade sehr schön aussieht. Wissenschaft wird dort spannend, wo etwas nicht aufgeht. Wer nur noch Gründe für das bereits erwartete Ergebnis sucht, hat aufgehört zu forschen und begonnen, eine Überzeugung zu verwalten.

 

Deshalb braucht Wissenschaft offene Konkurrenz zwischen Erklärungen. Sie braucht Menschen, die widersprechen, Daten anders lesen, Methoden angreifen, Fehler finden und Ergebnisse reproduzieren wollen. Eine gute Hypothese verdient möglichst harte Tests; ein gutes Modell den ernsthaften Versuch, es zu zerlegen. Wissenschaftlicher Konsens kann den Stand einer Debatte beschreiben. Den nächsten Test kann er nicht ersetzen.

 

Wissenschaft verliert ihre Kraft, sobald Unsicherheit in operative Gewissheit verwandelt und diese Gewissheit zur politischen Legitimation wird. Dann folgt der Anspruch auf Vorbestimmtheit: nur ein vernünftiger Weg, nur eine moralisch zulässige Entscheidung, nur ein akzeptabler Lebensstil. Wer abweicht, wird nicht mehr widerlegt, sondern etikettiert. Wo Argumente durch moralische Stempel ersetzt werden, endet die offene Debatte. Das ist das Gegenteil von Wissenschaft – und das Gegenteil einer freien Gesellschaft.

 

Genau hier wird aus einer Messfrage ein Herrschaftsanspruch. Zuerst wird eine Zukunft als praktisch sicher dargestellt. Aus dieser Sicherheit wird ein moralischer Imperativ. Aus dem Imperativ wird das Recht, andere Menschen zu steuern: wie sie wohnen, fahren, heizen, arbeiten, essen und sprechen sollen. Freiheit gilt dann nicht mehr als Ausgangspunkt, sondern als Störgröße. Das ist Paternalismus mit wissenschaftlichem Briefkopf. Ob man ihn Planung, Transformation oder alternativlos nennt, ändert an der Sache nichts.

 

Aus „unter diesen Annahmen könnte X geschehen“ wird „X wird geschehen“. Aus „dieses Risiko sollte berücksichtigt werden“ wird „deshalb gibt es nur noch diese eine Politik“. Wer widerspricht, gilt nicht als jemand mit einer anderen Rechnung, sondern als jemand mit dem falschen Charakter. Das ist Instrumentalisierung der Wissenschaft.

 

Eine freie Gesellschaft muss genau an dieser Stelle widersprechen. Wer offene empirische Fragen schließt, um daraus Gehorsam abzuleiten, missbraucht Wissenschaft. Wer eine zentrale Vorstellung vom richtigen Leben über die Entscheidungen freier Menschen stellt, errichtet Vormundschaft. Identitätspolitik, Kastenwesen nach Herkunft oder Gesinnung, flächendeckende Lebensvorgaben und die alte Illusion, eine Zentrale könne Wohlstand und Wahrheit verwalten – das sind Varianten derselben Idee: Der Einzelne soll folgen, weil jemand anderes bereits weiß, wie die Zukunft auszusehen hat.

 

Freiheit ist der Ausgangspunkt. Lasst euch eure Neugier nicht nehmen. Probiert Dinge aus, baut etwas, scheitert, lernt, holt euch eine blutige Nase und versucht es noch einmal. Lasst euch weder von Autoritäten noch von Konsensformeln einreden, offene Fragen seien bereits geschlossen. Eine Messung wird nicht durch Rang wahr, eine Hypothese nicht durch Abstimmung und ein Modell nicht dadurch richtig, dass viele daran glauben. Nehmt eure Freiheit ernst – und die Verantwortung, die zu ihr gehört. Freie Menschen können bessere Lösungen suchen, weil sie selbst entscheiden und für die Folgen einstehen. Sie brauchen keine Behörde, die ihnen die Zukunft vordenkt, und keine Moralpolizei, die Zweifel zur Untugend erklärt. Sie brauchen Daten, Streit, Märkte, Technik und das Recht, eine schlechte Idee aufzugeben.

 

Das ist nach all den Daten, Modellen und Rechnungen die eigentliche Pointe dieser Reihe: Wissenschaft braucht offene Fragen. Eine freie Gesellschaft braucht offene Möglichkeiten. Beides steht und fällt miteinander. Die Zukunft ist nicht festgelegt. Genau deshalb gibt es Grund zur Hoffnung – und keinen Grund, sie abzugeben.

 

.

 

Literatur

 

Andersen, H., Cermak, J., Zipfel, L., & Myers, T. A. (2022). Attribution of observed recent decrease in low clouds over the northeastern Pacific to cloud-controlling factors. Geophysical Research Letters, 49, e2021GL096498. https://doi.org/10.1029/2021GL096498

 

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. (2024). BGR Energiestudie 2023: Daten und Entwicklungen der deutschen und globalen Energieversorgung. https://doi.org/10.25928/es-2023

 

Calogovic, J., Albert, C., Arnold, F., Beer, J., Desorgher, L., & Flueckiger, E. O. (2010). Sudden cosmic ray decreases: No change of global cloud cover. Geophysical Research Letters, 37, L03802. https://doi.org/10.1029/2009GL041327

 

Ceppi, P., Wilson Kemsley, S., Andersen, H., Andrews, T., Kramer, R. J., Nowack, P., Wall, C. J., & Zelinka, M. D. (2026). Emerging low-cloud feedback and adjustment in global satellite observations. Atmospheric Chemistry and Physics, 26, 4153–4171. https://doi.org/10.5194/acp-26-4153-2026

 

Cesana, G. V., & Arouf, A. (2026). A reconciled satellite record reveals a negative low cloud feedback over the past 47 years. Geophysical Research Letters, 53, e2026GL124158. https://doi.org/10.1029/2026GL124158

 

Diamond, M. S. (2023). Detection of large-scale cloud microphysical changes within a major shipping corridor after implementation of the International Maritime Organization 2020 fuel sulfur regulations. Atmospheric Chemistry and Physics, 23, 8259–8269. https://doi.org/10.5194/acp-23-8259-2023

 

Ding, Y., Liu, Q., Lao, P., Li, M., Li, Y., Zheng, Q., & Peng, Y. (2023). Spatial distributions of cloud occurrences in terms of volume fraction as inferred from CloudSat and CALIPSO. Remote Sensing, 15(16), 3978. https://doi.org/10.3390/rs15163978

 

Friedlingstein, P., O’Sullivan, M., Jones, M. W., Andrew, R. M., Hauck, J., Landschützer, P., Le Quéré, C., Li, H., Luijkx, I. T., Olsen, A., Peters, G. P., Peters, W., Pongratz, J., Schwingshackl, C., Sitch, S., Canadell, J. G., Ciais, P., Jackson, R. B., Alin, S. R., … Zeng, J. (2025). Global Carbon Budget 2024. Earth System Science Data, 17, 965–1039. https://doi.org/10.5194/essd-17-965-2025

 

Gettelman, A., Christensen, M. W., Diamond, M. S., Gryspeerdt, E., Manshausen, P., Stier, P., Watson-Parris, D., Yang, M., Yoshioka, M., & Yuan, T. (2024). Has reducing ship emissions brought forward global warming? Geophysical Research Letters, 51, e2024GL109077. https://doi.org/10.1029/2024GL109077

 

Gordon, H., Kirkby, J., Baltensperger, U., Bianchi, F., Breitenlechner, M., Curtius, J., Dias, A., Dommen, J., Donahue, N. M., Dunne, E. M., Duplissy, J., Ehrhart, S., Flagan, R. C., Frege, C., Fuchs, C., Hansel, A., Hoyle, C. R., Kulmala, M., Kürten, A., … Carslaw, K. S. (2017). Causes and importance of new particle formation in the present-day and preindustrial atmospheres. Journal of Geophysical Research: Atmospheres, 122(16), 8739–8760. https://doi.org/10.1002/2017JD026844

 

Hathaway, D. H. (2015). The solar cycle. Living Reviews in Solar Physics, 12, 4. https://doi.org/10.1007/lrsp-2015-4

 

International Energy Agency. (2026). Global EV Outlook 2026. IEA. https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2026

 

Kopp, G. (2025). Solar irradiance measurements. Living Reviews in Solar Physics, 22, 1. https://doi.org/10.1007/s41116-025-00040-5

 

Li, R., Jian, B., Li, J., Wen, D., Zhang, L., Wang, Y., & Wang, Y. (2024). Understanding the trends in reflected solar radiation: A latitude- and month-based perspective. Atmospheric Chemistry and Physics, 24, 9777–9803. https://doi.org/10.5194/acp-24-9777-2024

 

Li, R., Jian, B., Li, J., Li, J., Cao, Z., Wang, Y., Wang, Y., & Huang, J. (2025). Planetary albedo and reflected shortwave flux: Basic characteristics, mechanisms of change and future projections. Earth-Science Reviews, 271, 105274. https://doi.org/10.1016/j.earscirev.2025.105274

 

Loeb, N. G., Wang, H., Rose, F. G., Kato, S., Smith, W. L., Jr., & Sun-Mack, S. (2019). Decomposing shortwave top-of-atmosphere and surface radiative flux variations in terms of surface and atmospheric contributions. Journal of Climate, 32, 5003–5019. https://doi.org/10.1175/JCLI-D-18-0826.1

 

Loeb, N. G., Su, W., Bellouin, N., & Ming, Y. (2021). Changes in clear-sky shortwave aerosol direct radiative effects since 2002. Journal of Geophysical Research: Atmospheres, 126, e2020JD034090. https://doi.org/10.1029/2020JD034090

 

Loeb, N. G., Ham, S.-H., Allan, R. P., Thorsen, T. J., Meyssignac, B., Kato, S., Johnson, G. C., & Lyman, J. M. (2024). Observational assessment of changes in Earth’s energy imbalance since 2000. Surveys in Geophysics, 45, 1757–1783. https://doi.org/10.1007/s10712-024-09838-8

 

Manapat, A., McPhaden, M. J., & Wood, R. (2026). Increases in Southeast Pacific low-cloudiness during ENSO warm phases. Geophysical Research Letters, 53, e2026GL122913. https://doi.org/10.1029/2026GL122913

 

Osborn, S. G., Vengosh, A., Warner, N. R., & Jackson, R. B. (2011). Methane contamination of drinking water accompanying gas-well drilling and hydraulic fracturing. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 108(20), 8172–8176. https://doi.org/10.1073/pnas.1100682108

 

Rice, A. K., Lackey, G., Proctor, J., & Singha, K. (2018). Groundwater-quality hazards of methane leakage from hydrocarbon wells: A review of observational and numerical studies and four testable hypotheses. WIREs Water, 5(4), e1283. https://doi.org/10.1002/wat2.1283

 

Svensmark, H., Bondo, T., & Svensmark, J. (2009). Cosmic ray decreases affect atmospheric aerosols and clouds. Geophysical Research Letters, 36, L15101. https://doi.org/10.1029/2009GL038429

 

Tselioudis, G., Rémillard, J., Jakob, C., & Rossow, W. B. (2025). Contraction of the world’s storm-cloud zones the primary contributor to the 21st century increase in the Earth’s sunlight absorption. Geophysical Research Letters, 52, e2025GL114882. https://doi.org/10.1029/2025GL114882

 

Urraca, R., Cappucci, F., Lanconelli, C., & Gobron, N. (2025). Assessing discrepancies in global aerosol trends from satellites, models and reanalyses. Remote Sensing of Environment, 328, 114827. https://doi.org/10.1016/j.rse.2025.114827

 

Usoskin, I. G. (2023). A history of solar activity over millennia. Living Reviews in Solar Physics, 20, 2. https://doi.org/10.1007/s41116-023-00036-z

 

Vieira, L. E. A., Solanki, S. K., Krivova, N. A., & Usoskin, I. G. (2011). Evolution of the solar irradiance during the Holocene. Astronomy & Astrophysics, 531, A6. https://doi.org/10.1051/0004-6361/201015843

 

Zanchettin, D. (2023). Volcanic eruptions: A source of irreducible uncertainty for future climates. Geophysical Research Letters, 50, e2023GL105482. https://doi.org/10.1029/2023GL105482

 

Zelinka, M. D., Myers, T. A., Qin, Y., Chao, L.-W., Klein, S. A., Po-Chedley, S., Ma, P.-L., Wall, C. J., Ceppi, P., & Gettelman, A. (2026). Recent cloud trends and extremes reaffirm established bounds on cloud feedback and aerosol-cloud interactions. Communications Earth & Environment, 7, 615. https://doi.org/10.1038/s43247-026-03461-8

 

Zhou, C., Zelinka, M. D., & Klein, S. A. (2016). Impact of decadal cloud variations on the Earth’s energy budget. Nature Geoscience, 9, 871–874. https://doi.org/10.1038/ngeo2828

 

Back to blog